Altglienicke zwischen Flughafen Schönefeld und Adlershof (WISTA)

Bürgerverein Altglienicke feiert seinen 20.Geburtstag

In jener Zeit, wo sich die SED-Kommunalverwaltung unter dem Protest der Bürgerschaft zunehmend auflöste, entstanden in den Ortsteilen „Runde Tische“. An diesen trafen sich oftmals unter dem moderierenden Dach der Kirchen bisher Machthabende aus der SED wie auch den sich zunehmend wandelnden Blockparteien CDU, LDPD, NDPD und DBD mit den neuen zivilgesellschaftlichen Kräften, den Bürgerrechtsgruppen der Übergangszeit wie Neues Forum, Demokratischer Aufbruch und Demokratie Jetzt, aber auch neugebildeten Parteien, etwa der Sozialdemokratischen Partei SDP, zusammen, um über neue Wege des Miteinanders zu diskutieren, Politik auf lokaler wie übergeordneter Ebene neu zu organisieren. In Altglienicke gab es die regelmäßigen Treffen des Runden Tischs unter der Moderation des evangelischen Predigers Klaus-Dieter Lydike im evangelischen Gemeindeheim Rosestraße. Mit der freien Kommunalwahl Mai 1990 konstituierte sich schließlich eine demokratische Bezirksverordnetenversammlung mit einem entsprechend legitimiertem Bezirksamt, womit die „Runden Tische“ an sich an Bedeutung verloren. Oft waren sie aber auch Initialzündung für etwas Neues an überparteilicher Organisationsform. In Altglienicke erwuchs zum einen der Gesprächskreis von Klaus-Dieter Lydike, der sich über viele Jahre bis zu seinem viel zu frühen Ableben herausragender Diskussionspartner im Gemeindeheim Rosestraße erfreute. Zum anderen wurde im Ergebnis der Runde-Tisch-Gespräche festgelegt, einen Altglienicker Bürgerverein zu gründen.
Am 21. März 1991 war es dann soweit. Im Speisesaal der Schule am Berg an der Köpenicker Straße kamen viele Menschen zusammen, um einen solchen aus der Taufe zu heben. Dunkel erinnere ich mich noch. Ich war gerade ein halbes Jahr in Altglienicke angekommen und wurde durch einen der Gründungsinitiatoren angesprochen, ob ich da mitmachen möchte. Mit 21 Jahren war ich dann wohl der Jüngste im Raum. Die Leute kamen zum Teil aus den verschiedenen Parteien, zum Teil waren sie parteilos und wollten einfach etwas für ihren Ort bewegen. Es wurde lange über Inhalte, eine Satzung und letztlich über den zu wählenden Vorstand gerungen. Da gab es einen, der gerne an der Spitze stehen wollte, der war aber von „der Partei“, der einen, die gerade mühsam nach 40 Jahren abgelöst wurde. Und dann gab es einen Kandidaten, welcher der breiten Masse mehrheitsfähig und gut geeignet schien, der schließlich zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde: Helmut Hauthal. Unter Helmut Hauthal hatte der Bürgerverein Altglienicke e.V. (BVA) dann auch seine Blütezeit. Der pensionierte Lehrer verstand es mit Herzblut die Vereinsgeschicke zu führen und stets überparteilich für den Ortsteil kämpfend aufzutreten. Das tat er einige Jahre auch als Bezirksverordneter für die SPD. Kein Altglienicker Thema ließ er aus. In relativ kurzer Zeit hatte der Bürgerverein weit mehr als 100 Mitglieder. Die ersten Sitzungen waren noch im Klub „Heinz Kapelle“, Ortolfstraße Ecke Wegedornstraße. Nachdem der geschlossen wurde, gab es schließlich in einer alten Baubaracke an der Anne-Frank-Straße das Altglienicker Bürgerzentrum (ABZ), wo lange Zeit sich das Vereinsleben konzentrierte. Es gab in der Anfangszeit eine lebendige Landschaft von Arbeitsgemeinschaften, eine AG Verkehr / Regionalplanung, eine AG Ökologie, eine AG Kultur und eine AG Heimatgeschichte. Nur letztere hat bis heute überlebt, weil Arbeitsgemeinschaften natürlich auch von denen leben, die sie ehrenamtlich mit Leben erfüllen. Auch waren die Fragen dieser Zeit des Umbruches noch viel grundsätzlicher, waren Richtungsentscheidungen der Zukunftsgestaltung, wo der Bürgerverein als Sprachrohr gefragt war. Es ging frei danach, wie es damals in der Satzung stand, „Zweck des Vereins ist die Mitwirkung an der Verbesserung der Lebensqualität im Ortsteil“, um den Weiterbau von Neubaugebieten, auch von Plattenbauten, die als Investruinen 1990 übrig blieben, es ging um historische Bauten im Ortskern, die vom Abriss bedroht waren, um Flächenplanung allgemein, um den Neubau der Schönefelder Chaussee, um die Frage einer Autobahn, die irgendwann mal kommen sollte, um einen schon 1991 geforderten Landschaftspark zwischen Altglienicke und Rudow, um neue Buslinienführungen der BVG, um Fragen wie Kulturarbeit in dem Ortsteil am Stadtrand aussehen kann, um die Aufarbeitung von Heimatgeschichte, die sich noch in keinem Buch und in keiner Ausstellung fand, um bessere Einkaufsmöglichkeiten und einiges mehr. Vieles wurde in den Jahren abgearbeitet und auch umgesetzt. Auch die Gründung der Zeitung „Der Altglienicker“ ging 1992 auf eine Initiative des Bürgervereins zurück. Das Veranstaltungsprogramm war die ersten Jahre reichhaltig. Es gab Diskussionsveranstaltungen zu verschiedensten Themen des Ortslebens, Filmvorführungen, Ausstellungen, Fotowettbewerbe, Wanderungen wie auch einfach gesellige Aktivitäten. Vieles trieb zu dieser Zeit der vor zwei Jahren nun verstorbene Helmut Hauthal als Vorsitzender persönlich voran, trotz eingeschränkter Gesundheit oft bis an die Grenzen seiner Kräfte, letztlich musste er aber das Vorsitzendenamt abgeben, weil es einfach nicht mehr ging.
Im Februar 1995 wurde schließlich Dr. Hellmut Rademacher zum neuen Vorsitzenden gewählt. Natürlich ging das Vereinsleben weiter, aber viele Themen, für die der Bürgerverein in seinen Anfängen eintrat, etwa in der Regionalplanung, hatten ihre Lösung gefunden. Die inhaltlichen Schwerpunkte gingen verstärkt in die Bereiche Kultur und Heimatgeschichte. 1998 brachte man ein erstes richtiges Altglienicke-Buch heraus. Im Jahr 2000 hatte der Bürgerverein dann einen großen Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte, als man die Feierlichkeiten zum 625-jährigen Ortsjubiläum, u.a. mit einem großen Festumzug, organisierte. Leider sind in den Jahren danach nur wenige neue Mitstreiter gefunden wurden. Viele Mitglieder entstammten der unterdessen fast 20 Jahre zurückliegenden Gründungszeit, waren nun oft 70 oder 80, oder weilten gar nicht mehr unter uns.
15 Jahre führte Dr. Hellmut Rademacher die Geschicke des Vereins, damit den größten Teil der zwei Jahrzehnte. Im Januar 2010 wurde schließlich ein Generationswechsel vollzogen, als ich den Vorsitz übernehmen durfte. Mittlerweile ist denke ich mal eine gute intergenerative Mischung entstanden, die im Vorstand von 22 bis 80 Jahre reicht und Grundlage für ein weiteres Wirken des Bürgervereins darstellt. Im vergangenen Jahr wurden ein weiteres Altglienicke-Buch und der 1. Altglienicker Adventsmarkt auf den Weg gebracht.

Dieser Text wurde freundlicher Weise von Herrn Joachim Schmidt (Herausgeber des Dörferblicks) zur Verfügung gestellt. Dieser Text wurde von der Zeitung der Dörferblick übernommen.

Vielen Dank